Home
Termine
Leistungssport
Freizeitsport
Ansprechpartner
Bezirksvereine

Umwelt
Archiv
Links


BKV

DKV

BLSV





Archiv 2009

Paddeln im vorigen Jahrhundert - Teil 4 / Erstbefahrung der Steirischen Salza

Franz von Alber (1903-1968) aus Spittal an der Drau / Kärnten ist Erbauer des 'Eskimokajaks' und erfand die 'Stehaufschwimmwest'. Franz von Alber machte viele Erstbefahrungen und Befahrungen im 'obersten' Schwierigkeitgrad wie z.B. die Lieser bei Hochwasser. Er ist auch der Erstbefahrer der Steirischen Salza.



Franz von Alber 1962 in seinem selbst gebauten Eskimokajak (Foto: J. Schächner)

Erstbefahrung "Steirische Salza", ein Bericht von Franz v. Alber, 1931

"Jahr um Jahr gleiten unzählige Faltboote die Enns herunter, vorbei an der Salzamündung, und kaum einer der Fahrer wirft einen Blick in das Felsentor, aus dem sich um die Mittagszeit braune Hochfluten ergießen. Kaum einer ahnt die Schönheiten, die diesen Fluß umrahmen, das unvergeßliche Erlebnis, das hinter diesem Tor verborgen liegt.

Vor Jahren ertranken bei Palfau zwei Faltbootfahrer, die als blutige Anfänger die Fahrt versuchten. Und begründeten dadurch den Ruf der Unfahrbarkeit. Drum wagte sich auch keiner mehr auf diesen Wildling, dieses absolut schönste Gewässer Österreichs.

Gegen vier Uhr nachmittags wird die Klause(Bresceni) geschlossen, um erst gegen sieben Uhr morgens wieder geöffnet zu werden. Das auf diese Weise aufgespeicherte Wasser wälzt sich dann als gelbbraunes Hochwasser die zweiundvierzig Kilometer bis zur Enns hinaus." In dieser Zeit müssen Floß und Boot draußen sein, sonst bleiben beide unweigerlich an den zahlreichen im Flußbett verstreuten Felsbrocken hängen.

Da die ersten Kilometer leicht zu fahren sind, braucht nicht aufs 'Klausewasser' gewartet werden. ..... In Brunnhütte muß die Fahrt unterbrochen werden. Morgen erst soll die schwere Strecke mit 'großem Klauswasser' befahren werden. Dieses hatte mir der Klauswächter versprochen.

Das großes Klauswasser wir i Ihna oba lossen; daß Ihna nur net derschlogen. Und daß dem Klauswasser net davon fohrn, in Fachwerk müassen's guating a halbe Stund worten!'

Am nächsten Morgen gegen neun Uhr kam er mit dem Motorrad an und gab das Zeichen zur Abfahrt. Unheimlich still und trotzdem rasend schnell schießen die braunen Fluten vorbei, das Flußbett bis an den Rand füllend. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Hinter einer scharfen Linkskehre hört man schon das Brausen. Weiß schäumend tobt der Fluß so weit das Auge reicht. Heraus und anschauen! Denn Vorsicht ist die Mutter der - 'Fetzenschachtel'.

Es muß gehen. Einfahrt ist Mitte links, dann etwas rechts. - - Steil schaukelt das Boot durch die eigenartig kurzen und doch hohen Wellen. Ein Schwall folgt dem anderen. Nicht eine ruhige Stelle hat der Fluß. In wildem Tanz geht es unter den Brücken von Wildalpen hindurch. In Fachwerk wird gerastet und auf Wasser gewartet. Das Steigen oder Fallen desselben muß an den Ufern sorgfältigst beobachtet werden.

Unter Palfau verändert sich das Flußbild. Kaum einige Meter breit, hat sich der Fluß durch Konglomeratgestein seinen Weg in die Enns erzwungen. ...

Unter kleinen Wildstegen hindurch, an Marterln vorbei braust die Salza durch einen landschaftlich ganz hervorragenden Kanon.



Foto links: Salzarechen, Paddlerin: Annemarie Amslinger (jetzt Glas)
Foto rechts: Weiberlauf, Paddler: Josef Schächner

An der Mündung ist noch als letztes Hindernis der 'Rechen' zu durchfahren. Das Wasser tost über ein Wehr, in das linker Hand eine Bresche gesprengt worden ist. Die Anfahrt links ist durch die Piloten des alten Rechens, der die Trift abzufangen hatte, sehr erschwert. Bei gutem Klauswasser bildet sich eine mörderische Floßgasse. Mitten in der Zunge baut sich eine große Wasserhöhle auf. Kneifen ist unmöglich. Das Boot in Schrägstellung muß rückwärts paddelnd eingefahren werden.

Man sieht einen Moment eine Wasserwand, kriegt eine Mordstrum Watschen und spürt einen Ruck, der den Körper nur so nach hinten schnellen läßt. Und schon schaukelt das Boot in die Enns. - - - -

Ein Juchezer bricht sich in den Bergen, um dann in vielfältigem Echo weit, weit drinnen in den Wänden des Tamischbachturms zu verklingen.

Die Erstbefahrung der Salza war ohne Kenterung oder Beschädigung des Bootes gelungen. Statt neun Kilometer Ennsfahrt konnten zweiundvierzig Kilometer herrlichsten Wildwassers bezwungen werden. Allerdings ist die Fahrt nur in den Vormittagsstunden möglich. Dafür aber hat man einen Wasserstand, der von jeglicher Witterung unabhängig ist. Wer`s nicht glaubt, der frag in Wildalpen nach!" (Quelle: Österreichischer Kajak Sport, 1931)



Die Salza vor der Einmündung in die Enns. Leider ist diese hervorragende Strecke, ohne Gegenwehr der PaddlerInnen, im Rückstau des Kraftwerkes untergegangen.

'Das Klausenwasser hebt den Wasserspiegel um fast 1m und läuft zwei Stunden später wieder ab. ... von der Bresceni-Klause bis zur Mündung bei Groß-Reifling noch 42 km - die man durch das ganze großartige, tiefeingeschnittene Tal mit einem unerhörten Schuß in vier zum Bersten angefüllten Stunden hinabsausen kann. Die Schwierigkeit des Flusses steigert sich hierbei von III bis einmal an die obere Grenze von V im 'Salzarechen' kurz vor der Mündung in die Enns, der am besten ganz links anzufahren und mit seiner gewaltigen Walze vorher unbedingt anzuschauen ist. ' (Quelle: Herbert Rittlinger, 1950)

Bericht: Ilse Entner, 12/2006

zurück zum Archiv - Paddeln im vorigen Jahrhundert

© BKV - Bezirk Oberbayern | Webmaster | Impressum