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Archiv 2009
Paddeln im vorigen Jahrhundert - Teil 7 / 'Das war einmal'
Iller, Lech, Isar, Inn
Strömen zu der Donau hin ...
'Das war einmal', werden unsere Kindeskinder sagen, wenn diese wilden, schönen Bergströme vollends in Kanäle
und Stauseen verwandelt sind.

Nachdem die obere Isar und der Rißbach zum Walchensee umgeleitet, nachdem Jller und Inn durch zahllose
Staustufen in Stauseen verwandelt worden sind, wurde nun auch der mächtigste bayerische Alpenstrom seiner
als 'gefährlich' bekannten Jllasberg-Schlucht beraubt. Dass aber solch eine Wildwasserstrecke nicht immer
von jedem Sportler, vor allem nicht von ruhig Blut bewahrenden Wildwasserfahrern als 'gefährlich' empfunden
wird, beweisen die folgenden Gedanken eines bekannten Wildwassermannes über den Lech und seine 'Todesbarre.'
"Jllasenge, Todesbarre, Paddlergedenkstein ... manchen soll's kalt überlaufen, wenn er dran denkt. Ein paar
Kameraden haben zwar dort ihr Leben lassen müssen, wie das zuging, weiß ich nicht, sagt der eine so, sagt der
andere so. Aber wir sind nun bei allen möglichen Wasserständen durch, sind durch, als von der Todesbarre
überhaupt nichts mehr zu sehen war als ein brodelnder Schaumstreifen, wir haben nie das Gefühl gehabt,
irgendein besonderes Wagnis zu unternehmen.
Freilich, wenn man sich nicht gut auskennt, tut man gut daran, die Gegend um die Todesbarre und besonders
die Strömung dort gründlich vom Land aus anzusehen. Wer sich die charakteristischen Felsformen, besonders den
'Toten Mann' einprägt, wird nicht fehlfahren.
In einem Lechführer steht, dass hintereinander sieben Barren (oder sind's mehr?) folgen. Mit Verlaub, wenn man
schon mit Lampenfieber da hineinfährt, verzählt man sich todsicher."
Aber diese 'Sorgen' haben wir bereits nicht mehr. Am Ende der Jllasberg-Schlucht ist eine achtzehn Meter
hohe Staumauer errichtet, die alles an Felsenbarren ersäuft und die tiefe Wildfluß-Schlucht in einen flachen
Stausee verwandelt. Vielleicht werden bald Wochenendhäuschen, Parkplätze und Badeanstalten hier entstehen,
und ein Caféhausbesitzer wird mit seinem Motorboot über den blanken See fahren, um von oben seinen Gästen zu
zeigen, wo einst die 'Todesbarre' den Faltbootfahrer zum Kampf gefordert hat.
Welch ein gewaltiger 'Fortschritt' unseres Zeiltalters der Technik!!
Das Ganze klingt ziemlich aktuell aber der Text wurde wörtlich aus dem Buch von Walter Frentz 'In den
Schluchten Europas' aus dem Jahre 1952 entnommen.
Zum Glück gibt es noch viele frei fließende Flüsse. Danken möchte ich an dieser Stelle den vielen Paddlerinnen
und Paddlern die Zeit und Energie aufwenden und sich für den Erhalt unserer Flüsse einsetzen, denn
Nachhaltigkeit bedeutet auch dass wir unseren Kindern und Kindeskindern Naturschönheiten erhalten.
Ich hoffe dass bald das Wasser kommt und dann wird wieder gepaddelt. Das heißt auch, dass die Serie
'Paddeln im vorigen Jahrhundert' mit diesem Beitrag endet.
Bericht: Ilse Entner, 11/2006
Fotos von der Protestaktion an der Koppentraun: Ilse Entner
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